Blausteintuch | Der Kompass
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Der Kompass

Das Wort »Kompass« leitet sich vom italienischen Wort »Compasso«, Zirkel, Magnetnadel und »compassare«, abschreiten, ab und dient zur Bestimmung einer Himmelsrichtung. Die Ursprünge dieses wichtigen Gerätes reichen bis in die graue Vorzeit zurück. Vermutlich haben bereits Urvölker den Mut aufgebracht, sich mit winzigen Booten, gebaut aus Rinde, Holz oder Fellen, so weit vom sicheren Ufer zu entfernen, dass man den Weg zurück nicht mehr mit dem bloßen Auge finden konnte. Doch die Menschen hatten schon vor tausenden von Jahren eine Vorstellung von dem Sonnengang. Alte Steinkreise zeigen den Sonnenaufgang im Osten am Morgen und ihr Verschwinden im Westen am Abend. Ebenso hatten die Menschen damals recht gute Kenntnisse des nächtlichen Sternenhimmels, der sich ebenfalls ausgezeichnet zur Navigation nutzen lässt.

Die Beobachtung der Sterne war in fast allen Kulturen verbreitet. Während seefahrende Kulturen sie auch zur Navigation verwendeten, nutzten die anderen die Sterne eher für die Bestimmung der Jahreszeit und somit als Kalender. Doch was tun bei bedecktem Himmel, und wie sollte man eine Richtung nicht nur grob, sondern exakt bestimmen?

Es ist nicht genau überliefert, wer der geniale Erfinder war, der begriff, dass eine magnetisierte Nadel (oder ein Metallsplitter) auf einer Wasserfläche schwimmend, durch die Kräfte der Natur nach Norden ausgerichtet wird. Ein solcher »nasser Kompass« wird 1269 in Europa in einem Text von Petrus Peregrinus de Maricourt erwähnt und gelangt kurze Zeit später auch zum Einsatz.

Mit einem solchen einfachen Kompass konnte man sich zwar schon besser in der Welt orientieren als nur mittels Sonnenaufgang und -untergang. Doch eine in einer Schale treibende Nadel hat den Nachteil, dass sie bei Wellengang oder in der Nacht kaum ablesbar ist, auch wird die erreichbare Genauigkeit durch die doch eher grobe Angabe vermutlich nicht gut genug sein, als dass eine Mannschaft ihr Leben darauf verwetten würde.

Tüftler, Baumeister und Erfinder suchten daher schon früh nach geeigneten Möglichkeiten, den Kompass so aufzuhängen, dass er besser abzulesen war und ihn mit einer Scheibe gegen die Einflüsse von Außen abzudecken. Zusätzlich fügte man nach einiger Zeit noch eine Windrose, eine Grafik für den Wind und die Windrichtung, hinzu, um die Kommandos des Steuermannes umsetzen zu können. Wurde zum Beispiel der Befehl erteilt, drei Strich abzufallen, wurde das Steuerruder des Schiffes solange aus der Mittelstellung heraus gedreht, bis der Kompass einen um drei Striche (Unterteilungen der Kompassrose) veränderten Kurs anzeigte. Danach stellte man das Ruder wieder zurück in die Mittelstellung.

Mit einem guten Kompass und der Möglichkeit, die zurückgelegte Strecke messen zu können (durch eine Kombination von zurückgelegter Strecke in einer gewissen Zeit, so wie es Karge im zweiten Band mit den Kerben an der Reling und dem Stöckchen, das ins Wasser geworfen wird, macht), ist ein Navigator in der Lage, einen vorgegebenen Kurs abzusegeln und ein gestecktes Ziel auch zu erreichen.

Im kleinen Örtchen Amalfi an der italienischen Westküste wird bis heute ein gewisser Flavio Gioia mit einem Denkmal am Hafen für seine Erfindung des Kompasses geehrt, aber alle Leser unseres ersten Bandes wissen selbstverständlich, dass das ein Irrtum ist und vielmehr ein venezianischer Maler und Erfinder namens Giacomo Cavaletto sich dieser Großtat rühmen darf ;-). Nach Gioia wurde aber immerhin auch noch ein Krater nahe dem »Nordpol« des Mondes benannt – eine etwas unglückliche Bezeichnung und damit auch Ehrung, denn für einen magnetischen Nordpol wäre ein Magnetfeld erzeugender, rotierender metallischer Kern im Inneren notwendig, womit der Mond jedoch nicht aufwarten kann. Aber lassen wir Gioia ruhig diese Auszeichnung … Giacomo hätte sicher nichts dagegen.

Abbildung 1: Kardanischer-Kompass aus 1570
Abbildung 2: Windrose